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Die nachfolgenden Internetseiten der DZ BANK dürfen nur von Personen angesehen werden, deren dauerhafter Wohn-/Geschäftssitz in einem der Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz ist, die sich nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, oder Japan befinden und die keine „U.S.-Person“ gemäß Definition der „Regulation S“ des amerikanischen Wertpapiergesetzes „U.S. Securities Act“ von 1933 in der jeweils gültigen Fassung (im Folgenden „U.S.-Person“) sind. Die DZ BANK übernimmt insbesondere keine Verantwortung für die Verbreitung des Inhalts von Internetseiten gegenüber Personen, die nachfolgend falsche Angaben machen.

Ich habe meinen dauerhaften Wohn-/Geschäftssitz in einem Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz und habe die Pflichtangaben und Interessenkonflikte / Rechtliche Hinweise gelesen und bin mit ihnen einverstanden. Ich bestätige, dass ich mich derzeit nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada oder Japan befinde, dass ich keinen dauerhaften Wohnsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika habe und dass ich auch keine „U.S.-Person“ bin.

#2
Ausgabe

Was ist eigentlich KI – Künstliche Intelligenz?

Und wie wird sie unser Leben in Zukunft verändern?

Was ist eigentlich?
Pascal Segesser
11 min
335 Leser
15.06.2018

Künstliche Intelligenz ist ein weit gefasster und oft missverstandener Begriff. Neben dem Optimismus über die „neue“ Technologie bestehen auch diverse Sorgen vor Künstlicher Intelligenz.

In einfacheren Definitionen handelt es sich bei Künstlicher Intelligenz (KI, oder englisch AI - Artificial Intelligence) zumeist um eine „Maschine“ (Computer, Software oder Algorithmus), die auf „menschlicher, intelligenter oder rationaler“ Basis „handelt oder denkt“ (Abbildung 1). Dieser engere Rahmen geht auf die ersten Erklärungsversuche aus dem 20. Jahrhundert zurück. Jüngere Ansätze beschreiben KI im weiteren Sinne als ein Teilgebiet der Informatik, innerhalb dessen erforscht wird, inwieweit selbstlernende Software und Maschinen die menschliche Intelligenz und das neuronale Netz unseres Gehirns imitieren können. Dabei wird meist zwischen einer schwachen und einer starken KI unterschieden.

Die starke KI setzt sich durch ein Bewusstsein, menschliche Intelligenz und Denkvermögen sowie die Fähigkeit, Informationen logisch zu verknüpfen, von der schwachen KI ab. Letztere handelt zwar wie ein Mensch, aber ohne Verstand oder gar menschliche Vernunft walten zu lassen. Sie stellt in der Regel einen Algorithmus zur Lösung einer spezifischen Fragestellung dar. Auf Basis einer hohen Lernkurve werden Muster erkannt, wobei die Maschine teilweise bessere Ergebnisse bei der Problemlösung liefern kann als der Mensch. Das aktuelle Anwendungsgebiet der Künstlichen Intelligenz konzentriert sich primär auf die schwache KI und versucht, die Stärken der Informationstechnologie für spezifische Problemstellungen und Situationen zu nutzen.

Ausgewählte Elemente der Definition von Künstlicher Intelligenz

Maschine:Computer, SoftwareAlgorithmus menschlich,intelligent, rational „Starke KI“denken „Schwache KI“handeln KI

Quelle: DZ BANK Research

Die Entstehungsgeschichte von KI

Die Idee einer Künstlichen Intelligenz ist keineswegs ein Phänomen unserer Zeit. Bereits aus dem Mittelalter sind Entwürfe von Leonardo da Vinci für einen Roboter überliefert. Im 18. Jahrhundert sorgte Kempelens Schachtürke, auch wenn sich der Roboter als Schwindel herausstellte, europaweit für Aufsehen.

Die praktische Umsetzung kam jedoch erst im 20. Jahrhundert mit der Entwicklung von Computern in greifbare Nähe. So wurde 1956 auf der Dartmouth Conference der Begriff „Artificial Intelligence“ von führenden Forschern ins Leben gerufen. Die hohen Erwartungen konnten in den Folgejahren allerdings nicht erfüllt werden, sodass das Thema für einige Zeit zur Nebensache wurde.

Erst in den letzten Dekaden rückte es wieder in den Fokus des Interesses – nicht zuletzt durch die gestiegene Rechenleistung (Performance), das Internet (vernetzte Informationen, Datengenerierung) und eine größere Datenbasis (Big Data, Datamining) (Abbildung 2). Und dies mit teils bahnbrechenden Entwicklungen.

Künstliche Intelligenz in den letzten Jahren mit mehr Medienpräsenz

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Quelle: DZ BANK Research, Bloomberg

Anwendungsgebiete und Beispiele

Mittlerweile ist die Künstliche Intelligenz ein anerkanntes Themenfeld in der akademischen Lehre sowie Forschung. Ihm widmen sich verschiedene Konferenzen, Fachmagazine und Verbände – zuletzt die CEBIT (weltgrößte Messe für Informationstechnologie) in Hannover. Gleichzeitig erforschen große Technologiekonzerne wie die FANG-Unternehmen (Facebook, Amazon, Netflix, Google) und Konkurrenten außerhalb der USA die Möglichkeiten von KI, nutzen bereits intelligente Algorithmen zur Datenauswertung und bieten Kunden sogar auf KI-basierte Software zur Lösung individueller Probleme an.

Selbst kleinere und mittelständische Unternehmen nutzen teilweise solche KI‑Algorithmen zur Optimierung verschiedenster Rahmenbedingungen (Abbildung 3). So gibt es zum Beispiel bereits Bier-Brauereien, die mithilfe von KI den Brauvorgang optimieren und auf Basis von Kundenbewertungen automatisch und kontinuierlich neue Biersorten erstellen und stetig weiterentwickeln.

Seriöser erscheint demgegenüber das Engagement der NASA und des US‑Militärs bezüglich der Nutzung von KI. Ein jüngerer Erfolg stellt IBMs Watson dar, eine KI, die 2011 in der US-amerikanischen Quizshow Jeopardy menschliche Mitspieler mit großem Vorsprung besiegte. Auch in der Finanzwelt ist das Interesse an KI gewachsen. So haben bereits im Jahr 2001 Roboter in einem Laborversuch Menschen in einem simulierten Handelsspiel geschlagen. Auch gibt es seit einiger Zeit Fonds, die durch eine Künstliche Intelligenz anstelle eines Fondmanagers betreut werden. Allerdings stellen die komplizierten Rahmenbedingungen und zahlreichen Variablen der realen Welt sowie die Komponente Mensch dabei weiterhin Probleme dar.

Künstliche Intelligenz findet Platz in diversen* Anwendungsgebieten

*Darstellung ist nicht allumfassend

Visuelle Analyse

Visuelle Analyse

„Sehende“ KIs können nicht nur agieren, sondern auch reagieren. So erkennen sie z.B. in smarten Fabriken Produktionsfehler, erfassen semantische Informationen von Dokumenten oder ermöglichen autonomes Fahren.

Roboter, z.B. Auto und Staubsauger

Roboter, z.B. Auto und Staubsauger

Serviceroboter helfen uns längst im Haushalt. Dank Moraleinstellungen werden sie in Zukunft auch Spinnen oder Marienkäfer verschonen – wenn ihre Stellvertretermoral die ihres Besitzers widerspiegelt.

Sprachwissenschaften

Sprachwissenschaften

Siri und Alexa verarbeiten menschliche Sprache und liefern Antworten. Die (fast) menschliche Stimme des Google Assistant besitzt sogar das Potenzial für eine neue Form des Dialogs.

Spieltheorie (Schach, Go)

Spieltheorie (Schach, Go)

Algorithmen der Google-Tochter DeepMind lernen selbständig die Strategiespiele Schach, Shogi und Go. Sie beherrschen sie besser als bisherige Programme und schlagen selbst menschliche Meisterspieler.

Meteorologie

Meteorologie

Regenschirm oder Sonnencreme? Ein Mix aus Big Data und KI errechnet durch „predictive analytics“ aus allen global verfügbaren Messdaten fast in Echtzeit Wettervorhersagen.

Wissenschaft, Raumfahrt

Wissenschaft Raumfahrt

„Cimon“ ist die Alexa fürs All und basiert auf der IBM-KI „Watson“. Seit Juni gehört sie zur Besatzung der Internationalen Raumstation und unterstützt die Astronauten bei ihren Versuchen und Analysen.

Kaufverhalten, Werbung

Kaufverhalten, Werbung

KIs analysieren, ob ein Kunde auf Sneakers oder Lederschuhe (Halbschuhe) steht, auf Bio- oder Plastik-Gemüse. In Zukunft bietet ihm dann sein Supermarkt personalisierte Preise an, neben der personalisierten Werbung beim Onlineshopping.

Marktforschung

Marktforschung

KIs führen Interviews, werten Daten aus und erhöhen die Effizienz. Was ihnen fehlt? Interaktion und Emotionalität. Kritiker setzen auch noch mangelnden Datenschutz und nicht vorhandene Kontrollierbarkeit auf die Mängelliste.

Limitierungen: Noch sind die künstlichen Kompetenzen begrenzt

Schon heute sind selbstlernende Algorithmen in der Lage, Kreuzworträtsel auf Basis von Mustererkennung schneller und „besser“ als Menschen zu lösen. Bei untypisch konstruierten Rätseln jedoch versagt die Maschine.

Denn die Komplexität des menschlichen Gehirns, unsere Denkmuster und unser Bewusstsein stellen ein bisher unüberwindbares Hindernis für Künstliche Intelligenz oder vielmehr das Feld der Biologie/Psychologie dar. Aber auch technisch stößt sie noch an Grenzen. Vor allem bei Problemen, die eine „exponentiell“ steigende Rechenleistung erfordern, wie die Reihenfolge bei einer Routenplanung mit einer bestimmten Anzahl von Städten. Hier kommt der Mensch instinktiv schnell zu einer brauchbaren, wenn auch nicht unbedingt optimalen Lösung. Auf dem heutigen Stand kann man KI wohl eher als Werkzeug für den Menschen denn als seinen Ersatz bezeichnen.

Ausblick: Kritische Stimmen

Bei allem Optimismus über die „neue“ Technologie gibt es – wie immer – auch eine zweite Seite der Medaille. So heißt es, dass in Zukunft der Arbeitsplatz vieler Menschen durch intelligente Automatisierung überflüssig werden könnte, was die Arbeitswelt grundlegend verändern würde. Auch die Möglichkeit eines „übereifrigen“ Algorithmus wird in den Raum gestellt: So könnte die KI einer Wurstfabrik versuchen, mit allen möglichen Mitteln die Produktion zu erhöhen, was den Markt subsequent überflutet, wobei gleichzeitig das Ökosystem zerstört wird, während die Menschen möglicherweise bereits in einem Überfluss untergehen.

Noch bedrohlicher wirkt das Szenario einer militärischen KI, die auf Basis von unausgereifter Programmierung oder gar Falschnachrichten einen Atomkrieg verursachen und damit das Ende der Menschheit heraufbeschwören könnte. Auch der Entwicklung einer möglichen „Künstlichen Superintelligenz“ stehen viele Fachmeinungen kritisch gegenüber. Diese soll Zugriff auf alle Daten besitzen, wie eine Blockchain „unzerstörbar im Netz leben“ und sich dauerhaft selbst weiterentwickeln. Unter Umständen würde sie uns unbekannte eigene Wertvorstellungen und Ziele entwickeln – auf diesem Weg könnte sich die Menschheit ihren eigenen technischen Gott erschaffen, so die Befürchtung.

„The development of full artificial intelligence could spell the end of the human race ... it would take off on its own, and re-design itself at an ever increasing rate.“

Stephen Hawking (theoretischer Physiker, Astrophysiker)

Auch wenn die Meinungen auseinandergehen – vor allem hinsichtlich der technischen Möglichkeiten, Chancen und Gefahren sowie der Geschwindigkeit des Fortschritts auf dem Gebiet der KI – sicher ist: Der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf unser Leben steigt mit jedem weiteren Tag.

Dieser Entwicklung muss sich auch die Politik bewusst werden und sich verstärkt Themen wie der KI-Sicherheit (Turing-Test), Subventionen für Forschungsarbeit auf diesem Gebiet, der Regulierung von Datenkapitalismus oder auch der Neuorganisation einer automatisierten Arbeitswelt annehmen. In diesem Zusammenhang forderte auch Bundeskanzlerin Merkel erst kürzlich mehr Geld für die Forschung, um Deutschlands Rolle als führendes Industrieland zu sichern. Künstliche Intelligenz wird aber auch in der Finanzindustrie, bei Regulierern sowie Zentralbanken in Zukunft eine größere Rolle spielen.

Aber es geht nicht nur darum, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um auf diesem Gebiet technologisch Schritt zu halten. Ein weiterer – vielleicht noch wichtigerer – Aspekt wird auch sein, mit den Auswirkungen dieser neuen Technologie auf die Gesellschaft umzugehen. Und in diesem Zusammenhang sind wir alle gefordert, uns zu überlegen, wie wir in Zukunft leben möchten.

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