00_ASSETS ___ _ 00_ASSETS 00_ASSETS 00_ASSETS _ 00_ASSETS _ __ _ 00_ASSETS _ _ _ _ _ _ _ __ __ _____ title_ title_ title_ title_ title_ title_ _ _ _ _

Die nachfolgenden Internetseiten der DZ BANK dürfen nur von Personen angesehen werden, deren dauerhafter Wohn-/Geschäftssitz in einem der Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz ist, die sich nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, oder Japan befinden und die keine „U.S.-Person“ gemäß Definition der „Regulation S“ des amerikanischen Wertpapiergesetzes „U.S. Securities Act“ von 1933 in der jeweils gültigen Fassung (im Folgenden „U.S.-Person“) sind. Die DZ BANK übernimmt insbesondere keine Verantwortung für die Verbreitung des Inhalts von Internetseiten gegenüber Personen, die nachfolgend falsche Angaben machen.

Ich habe meinen dauerhaften Wohn-/Geschäftssitz in einem Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz und habe die Pflichtangaben und Interessenkonflikte / Rechtliche Hinweise gelesen und bin mit ihnen einverstanden. Ich bestätige, dass ich mich derzeit nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada oder Japan befinde, dass ich keinen dauerhaften Wohnsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika habe und dass ich auch keine „U.S.-Person“ bin.

#1
Ausgabe

New Kid on the Block

Über die steigende Beliebtheit von Aktien in Deutschland

Im Fokus
Michael Stappel, Economist
7 min
436 Leser
10.03.2021

Aktuell bestehen gut zwei Drittel des deutschen Geldvermögens aus Bankeinlagen, Bargeld und Versicherungen. Gleichzeitig führt die anhaltende Niedrigzinsphase auch bei den eher sicherheitsorientierten deutschen Privatanlegern zu einem gesteigerten Interesse an Dividendenwerten. Was bedeutet das für den Geldanlagestau?

Sparbeträge und Rückflüsse aus fälligen Anlagen bleiben in Deutschland häufig auf dem Girokonto stehen. Die Folge ist ein gewaltiger Geldanlagestau von inzwischen rund zwei Billionen Euro. Derzeit besteht das Geldvermögen der deutschen Privathaushalte zu fast 70% aus Bankeinlagen, Bargeld und Versicherungen. Nur gut 7% sind in Aktien investiert. Zwar schützt diese recht einseitige Portfoliostruktur bei Kurseinbrüchen an den Börsen, wie im letzten Jahr, als beispielsweise der DAX von 19. Februar bis 18. März um rund 39% in die Tiefe rauschte. Langfristig besteht allerdings die Gefahr, dass das Geldvermögen durch die extrem niedrigen Zinsen insgesamt nicht einmal mehr eine Rendite abwirft, die die Inflation ausgleicht. Tatsächlich findet der Geldvermögensaufbau nach dem weitgehenden Wegbrechen des Zinseszinseffektes vor allem über den mühsamen Weg der Ersparnis vom laufenden Einkommen statt.

Geldvermögen privater Haushalte (31. Dezember 2020*)

Quellen: Bundesbank, Deutscher Derivate Verband, DZ BANK

Daher ist die Forderung einer neuen Aktienkultur in Deutschland mehr als verständlich, zumal die Corona-Krise den Geldanlagestau aktuell mit doppelter Wucht verstärkt. Aus Vorsicht und aufgrund von Lockdown-Maßnahmen legen die Bürger einen höheren Teil ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Damit wächst die Flut an Sichteinlagen bei Banken immer weiter. Tatsächlich ist die Sparquote von zuvor 10,9% auf 16,3% im letzten Jahr in die Höhe geschossen – der mit Abstand höchste Wert seit der deutschen Wiedervereinigung. Außerdem verschiebt die lockere Geldpolitik einschließlich der rekordhohen Wertpapierkaufprogramme der EZB und anderer Zentralbanken als Reaktion auf die Folgen der Krise den lange erhofften Zinsanstieg auf unbestimmte Zeit.

Überraschende Reaktion privater Anleger

In der Vergangenheit reagierten private Haushalte auf Krisen und Kurseinbrüche an den Börsen häufig mit Panikverkäufen von Aktien. Im bisherigen Verlauf der Corona-Krise ist eher das Gegenteil der Fall: In den ersten drei Quartalen 2020 stiegen die Netto-Aktienkäufe der privaten Haushalte in Deutschland auf 33,9 Mrd. Euro. Das war rund das Dreifache der durchschnittlichen Geldvermögensbildung in dieser Anlageform in den jeweils ersten drei Quartalen der letzten Jahre. Auch Fonds und Zertifikate registrierten hohe Mittelzuflüsse.

Geldvermögensbildung privater Haushalte in Deutschland in börsennotierte Aktien

Quellen: Bundesbank, DZ BANK

Doch reicht dieser Trend aus, um den skizzierten Geldanlagestau bei den privaten Haushalten allmählich aufzulösen? Eine nachhaltige Aktienkultur hat mehrere Dimensionen. Sie betrifft vor allem Anleger, die die besonderen Renditechancen von Aktien für eine ausgewogene Portfoliostruktur nutzen. Dabei spielt die Altersvorsorge als Anlagemotiv eine zentrale Rolle. Das gilt nicht zuletzt auch, weil die als Generationenvertrag organisierte gesetzliche Rente durch den Altersstrukturwandel unserer Gesellschaft immer weniger in der Lage ist, für angemessene Einkünfte nach der Erwerbsphase zu sorgen. Aus diesem Blickwinkel beinhaltet eine nachhaltige Aktienkultur drei Dinge: eine breite Risikostreuung durch unterschiedliche Aktien bei begrenztem Anteil am Gesamtportfolio, einen langfristigen Anlagehorizont sowie eine möglichst kontinuierliche Neuanlage in Aktien, Aktienfonds und entsprechende Zertifikate. Eine nachhaltige Aktienkultur betrifft aber auch Unternehmen, die sich Risikokapital für die Finanzierung von Wachstum und Innovationen durch Wertpapieremissionen beschaffen.

Tatsächlich wächst seit 2017/18 das Interesse privater Anleger an Wertpapieren, insbesondere an Aktien. Zuvor war nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 eine langanhaltende tendenzielle Abkehr von der Wertpapieranlage zu beobachten, die später durch die Finanzmarktkrise, eine teils abschreckende Neuregulierung des Anlegerschutzes und die Niedrigzinsphase gestützt wurde. Vor allem im letzten Jahr hat die Neueröffnung von Depots kräftig Fahrt aufgenommen: In nur zwölf Monaten stieg die Zahl privater Depots um rund 1,7 Millionen auf über 25,2 Millionen.

Wertpapier-Depots privater Haushalte in Deutschland

Quellen: Deutsche Bundesbank, DZ BANK

Neo Broker und Fondssparpläne

Angetrieben wurde der jüngste Boom durch zwei Phänomene: den Einstieg junger Anleger ins Wertpapiergeschäft sowie ein wachsendes Interesse an Fondssparplänen. So lassen sich in jüngster Vergangenheit Aktieninvestments von sehr vielen Anlegern im Alter von Anfang bis Mitte 20 beobachten, die häufig auf sogenannte Neo Broker zurückgreifen. Diese zeichnen sich durch die Bereitstellung eines einfachen, preisgünstigen Börsenzugangs – oft mit dem Smartphone – auch bei kleinen Anlagebeträgen aus; es fehlt allerdings in der Regel die persönliche individuelle Beratung. Dabei kennt das Phänomen junger Anleger bei Neo Brokern beide Motive: Den planvollen langfristigen Vermögensaufbau, meist in Form von Aktien- oder Fondssparplänen mit regelmäßigen Anlagebeträgen, die gern auch in Exchange Traded Funds (ETFs) investiert werden, genauso wie die Spekulation, die durch einen leichten technischen Zugang gefördert wird und mit häufigem Kauf und Wiederverkauf von Aktien bis hin zum Daytrading einhergeht.

Das zweite Phänomen, eine stabile Geldvermögensbildung durch den verstärkten Einsatz von Fondssparplänen, betrifft private Anleger unabhängig von der Altersklasse. So berichtet beispielsweise die dwpbank als führender Dienstleister für Wertpapierservice in Deutschland über einen Anstieg der Sparpläne im abgelaufenen Jahr um 63,1% auf 703.000. Die Transaktionen, die auf Sparpläne zurückzuführen sind, wuchsen im selben Zeitraum sogar um 85% auf 6,5 Millionen. Der Antreiber für ein wachsendes Interesse am regelmäßigen Sparen in Form von Investmentfonds und ETFs ist vor allem auch die langanhaltende Phase extrem niedriger Zinsen. Durch sie verlieren Banksparpläne, die sich in der Vergangenheit bei höheren Zinsen großer Beliebtheit erfreuten, an Attraktivität.

Geldanlagestau wächst weiter

Es gibt also ein neues Interesse an der Direktanlage in Aktien und an Fondssparplänen, das sich in einem starken Anstieg der Geldvermögensbildung in diesen Kategorien niederschlägt. Allerdings haben die Zuwächse in diesem Bereich bisher bei Weitem nicht ausgereicht, um dem wachsenden Geldanlagestau wirksam zu begegnen. Eher im Gegenteil: Niedrigzins und Corona-Krise ließen die Ersparnisse, die auf dem Girokonto stehen blieben oder im Portemonnaie landeten, noch kräftiger wachsen. Und der Anteil nicht angelegter Finanzmittel erreichte Ende 2020 mit voraussichtlich 28,5% des gesamten Geldvermögens einen neuen Rekordwert.

Geldanlagestau: Anteil von Sichteinlagen und Bargeld am gesamten privaten Geldvermögen

Quellen: Bundesbank, DZ BANK

Zu wenig Börsengänge

Auf der Kapitalnachfrageseite, beispielsweise bei Börsengängen von Aktiengesellschaften, ist gleichzeitig kaum etwas von einer neuen Aktienkultur zu spüren. Vielmehr hatte sich der Markt nach dem Platzen der Dotcom-Blase, dem zahlreiche Neuemissionen vorausgingen, nur vorübergehend erholt. War er um die Jahrtausendwende mit jährlich weit über 100 Börsengängen noch von Übertreibungen geprägt, hat er sich nach einem kräftigen Einbruch in den Jahren vor der Finanzmarktkrise ohne Anzeichen einer Überhitzung wieder erholt. Mit der Finanzmarktkrise brach das Neuemissionsgeschehen jedoch erneut ein und kam bis heute nicht wieder auf die Beine. Seither werden hierzulande im Durchschnitt pro Jahr gerade einmal sechs Börsengänge deutscher Unternehmen registriert.

Börsengänge in Deutschland*

Quellen: Deutsche Börse Primärstatistik, DZ BANK

Gemischte Bilanz

Während auf der Kapitalnachfrageseite vor allem die geringe Zahl an Börsengängen zu beklagen ist, erfreuen auf der Anlegerseite eine hohe Neuanlage in Aktien und eine zunehmende Beliebtheit von Fondssparplänen. Noch sind diese Zuwächse zu schwach, um dem wachsenden Geldanlagestau wirksam zu begegnen. Mittel- bis langfristig könnte sich jedoch eine ausgewogenere Portfoliostruktur der privaten Haushalte mit besseren Renditeaussichten entwickeln: Gerade das große Interesse einer jungen Anlegergeneration und die wachsende stabile Basis der Geldvermögensbildung bei Investmentfonds durch regelmäßiges Fondssparen sorgen hier für Zuversicht.

Weitere Ausgaben

Gefällt Ihnen unser Magazin?
Haben Sie Fragen zu den vorgestellten Themen?
Vereinbaren Sie gern einen Termin in Ihrer Raiffeisen Volksbank vor Ort.
Filialsuche
Kooperationspartner