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#3
Ausgabe

Neue Wege auf alten Pfaden

Chinas „Neue Seidenstraße“ ist ein Weltprojekt

Im Fokus
Monika Boven
10 min
584 Leser
12.09.2018

Mit der „Neuen Seidenstraße“ hat der chinesische Präsident Xi 2013 ein Projekt ungewöhnlichen Ausmaßes verkündet: Entlang einer Route, die sich am Verlauf der historischen Seidenstraße orientiert, entstehen Infrastrukturprojekte in Höhe von 1 Billion US-Dollar, die Asien, Europa und Afrika besser miteinander verbinden sollen.

Ein Landweg soll von Zentralchina über Zentralasien und den Nahen Osten bis nach Europa führen. Ein Seeweg soll sich von Chinas Ostküste über Südostasien bis nach Ostafrika und schließlich bis nach Griechenland und Italien erstrecken. China betitelt das Projekt inzwischen offiziell als „Belt and Road“-Initiative (BRI). „Belt“ steht dabei für den geplanten Landweg, „Road“ für den Seeweg, der auch als „Maritime Seidenstraße“ bezeichnet wird. Zusätzlich zu den Hauptrouten sollen diverse Wirtschaftskorridore entstehen. Sogar eine „Polare Seidenstraße“ ist inzwischen im Gespräch.

Die neue Seidenstraße

MombasaGwadarAnkaraKaschgarKorgasXianPekingMoskauVenedigIrkutskSingapurKunmingFuzhouShanghaiColomboKasanTehranKalkuttaPiräusRotterdamDschibutiJakartaHanoiHongkongJamalWirtschaftskorridore (geplant)Polare Seidenstraße (geplant)Maritime SeidenstraßeLandrouteHistorische Seidenstraße
Grafik: 3St/Martin Kraft, Ursprungskarte: Tubs, Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0 unported
Quellen: MERICS (Mercator Institute for China Studies), DZ BANK Research.

Die halbe Weltwirtschaft ist involviert

74 Länder haben sich dem Vorhaben inzwischen offiziell angeschlossen und ein „Memorandum of Understanding“ (Absichtserklärung) unterzeichnet. Unter den BRI-Partnerländern befinden sich fast alle zentral- und südostasiatischen Staaten, nahezu der gesamte Nahe Osten, alle elf osteuropäischen EU-Staaten plus fünf Balkanstaaten, Russland und fast sämtliche ehemaligen Sowjetrepubliken. Mit Panama und Neuseeland werden sogar offizielle Partnerländer geführt, die fernab von den skizzierten Routen liegen.

Dagegen haben auf dem afrikanischen Kontinent bislang nur wenige Staaten das Memorandum unterzeichnet. Und das, obwohl die geplante Seeroute weite Strecken entlang der Küsten Afrikas verläuft und es darüber hinaus in zahlreichen Ländern Infrastrukturprojekte mit chinesischer Beteiligung gibt. Sie werden ebenfalls in den Kontext der Seidenstraßeninitiative gestellt.

Auch viele westeuropäische Staaten spielen in den Plänen der Chinesen eine wesentliche Rolle – neben Deutschland (hier vor allem der Duisburger Binnenhafen) auch Belgien und die Niederlande sowie Frankreich, Spanien und Großbritannien. In den Hauptstädten Westeuropas steht man dem Mammutvorhaben jedoch äußerst skeptisch gegenüber und lehnt bilaterale Abkommen mit Peking generell ab. Gleichwohl hat das Projekt bereits jetzt einen beeindruckenden Umfang:

Die 74 Partnerländer stehen für die Hälfte der Weltbevölkerung.

Zusammen mit China, Hongkong und den Ländern, die in die Planung der Initiative involviert sind, umfasst die „Neue Seidenstraße“ die Hälfte der Weltwirtschaft und zwei Drittel des globalen Handels – das Potenzial für ein gigantisches Handelsnetz.

Die „Neue Seidenstraße“ könnte einmal weite Teile der Welt umfassen

19 15 18 48 Angaben jeweils in % der Weltgesamtheit (2016) % Rest der Welt Länder ohne Memorandum China und Hongkong Länder mit Memorandum Wirtschaftsleistung
27 25 16 31 Angaben jeweils in % der Weltgesamtheit (2016) % Rest der Welt Länder ohne Memorandum China und Hongkong Länder mit Memorandum Exporte
48 19 6 27 Angaben jeweils in % der Weltgesamtheit (2016) % Rest der Welt Länder ohne Memorandum China und Hongkong Länder mit Memorandum Bevölkerung

Quellen: Internationaler Währungsfonds (IWF), DZ BANK Research

„Win-Win“ ist nicht chinesisch – das Projekt dient vor allem den Interessen Chinas

Es ist sicherlich Pekings primäres Ziel, China mit der Initiative besser an seine Handelspartner anzubinden: Exporte einerseits näher an die Abnehmer heranzuführen und sich andererseits einen leichteren Zugang zu wichtigen Rohstoffquellen zu sichern. Außerdem sollen durch die Baumaßnahmen und die verbesserte Verbindung mit den Nachbarstaaten die strukturschwachen Grenzregionen Chinas gezielt gefördert werden. So will Peking auch zur Verringerung des enormen Wohlstandsgefälles innerhalb Chinas beitragen.

Aber ist das Projekt auch für die anderen Länder von Vorteil? In vielen Partnerländern rennen die Chinesen mit ihrem Vorstoß durchaus offene Türen ein. Der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen ist in vielen Regionen der Welt enorm. Zumeist mangelt es jedoch an Kapital, das China nun bereitstellt. Grundsätzlich erhöht eine bessere Infrastrukturanbindung an China und bis nach Europa für die meisten Länder langfristig die Aussicht auf mehr Wachstum und Wohlstand. Außerdem sind die Hoffnungen groß, durch die Baumaßnahmen vor Ort auch kurzfristig Wachstumsimpulse zu erzielen. In Osteuropa könnten die chinesischen Infrastrukturinvestitionen den Aufholprozess gegenüber den westlichen EU-Mitgliedsstaaten signifikant voranbringen. 

Knapp fünf Jahre nach dem offiziellen Start von BRI macht sich aber Ernüchterung breit.

Immer deutlicher zeigt sich, dass die Chinesen vor allem an sich selbst denken. So werden die bislang hauptsächlich in Asien gestarteten Bauprojekte überwiegend von chinesischen Firmen mit chinesischen Arbeitern durchgeführt. China schafft sich damit ein Ventil für die enormen Überkapazitäten, die in den vergangenen Jahren in der Bauwirtschaft aufgebaut wurden. Gleichzeitig stellt sich damit auch die Frage, wie mit Sozialstandards und Umweltbelastung umgegangen wird. In den Partnerländern lassen die versprochenen schnellen Wachstumseffekte dagegen auf sich warten. Dafür nehmen die hohen Defizite im Handel mit China weiter zu.

Kritisch ist vor allem, dass die chinesischen Gelder den beteiligten Ländern nicht als Direktinvestitionen zufließen, sondern als Kredite. Die ohnehin hohe Auslandsverschuldung vieler Partnerländer steigt dadurch weiter. Sie drohen in die Überschuldung abzugleiten. Das schafft finanzielle Abhängigkeiten, die China zu seinem Vorteil nutzt. So hat sich Peking die Eigentumsrechte an Projekten im Ausland überschreiben lassen und dringt generell auf eine china-freundliche Politik.

Ungarn, in der EU wohl der wichtigste Partner Chinas, hat bereits china-kritische Erklärungen der EU blockiert. Kritiker warnen davor, dass China mit seiner Seidenstraßenpolitik einen dauerhaften Keil zwischen die west- und osteuropäischen Staaten treiben könnte, und sprechen von einem „neokolonialistischen“ Gebaren der Chinesen.

Droht Osteuropa derselbe Verschuldungsanstieg durch die Seidenstraßenprojekte wie schon Asien?

L Kasachstan Mongolei Kirgiistan Laos Dschibuti Tadschikistan Sri Lanka Armenien Moldavien Serbien Bulgarien Albanien Mazedonien Bosnien Montenegro Auslandsverschuldung in % des BIP % 232 135 125 93 85 60 59 92 92 83 76 71 71 66 64 136 75 94 85 50 47 53 2012 2016 A B

Quellen: IWF, DZ BANK Research

„Man überquert den Fluss, indem man sich an den Steinen entlangtastet.“

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