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Die nachfolgenden Internetseiten der DZ BANK dürfen nur von Personen angesehen werden, deren dauerhafter Wohn-/Geschäftssitz in einem der Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz ist, die sich nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, oder Japan befinden und die keine „U.S.-Person“ gemäß Definition der „Regulation S“ des amerikanischen Wertpapiergesetzes „U.S. Securities Act“ von 1933 in der jeweils gültigen Fassung (im Folgenden „U.S.-Person“) sind. Die DZ BANK übernimmt insbesondere keine Verantwortung für die Verbreitung des Inhalts von Internetseiten gegenüber Personen, die nachfolgend falsche Angaben machen.

Ich habe meinen dauerhaften Wohn-/Geschäftssitz in einem Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz und habe die Pflichtangaben und Interessenkonflikte / Rechtliche Hinweise gelesen und bin mit ihnen einverstanden. Ich bestätige, dass ich mich derzeit nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada oder Japan befinde, dass ich keinen dauerhaften Wohnsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika habe und dass ich auch keine „U.S.-Person“ bin.

Klimaschutz antik

Glosse
Dr. Hans Jäckel, freier Autor
5 min
193 Leser
11.12.2019

Diogenes war, als er noch jünger war, auch mal berufstätig – unter anderem bei einer Bank. Jetzt liegt er vor seiner Tonne in der Sonne oder sitzt bei schlechtem Wetter im Kaffeehaus und lässt die Gedanken vorbeiziehen. Er sieht mit mildem Interesse die Nachrichten des Tages, die Aufreger-Themen der Woche und die Schlagwörter und Unwörter des Jahres kommen und gehen. Und das eine oder andere erscheint ihm von Interesse, sodass er sich ein paar Gedanken macht.

Da ist also ein 16-jähriges Mädchen aus Schweden auf einem Segelboot um die halbe Erde gefahren, um in New York vor den politischen Führern der Welt eine wütende Rede zu halten. Und Schüler überall schwänzen freitags die Schule, um auf öffentlichen Plätzen ihrem Unmut Luft zu machen. Diese Aktionen sollen Aufmerksamkeit wecken. Bei Diogenes hat das auch funktioniert.

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Als altmodischer Moralphilosoph kann Diogenes es nicht gutheißen, dass die Menschheit zurzeit dabei ist, im Rekordtempo so ziemlich alles zu verbrennen, was auf der Erde an Brennbarem über Jahrhunderte (Wälder) oder über Jahrmillionen (Kohle, Erdöl, Erdgas) entstanden ist. Wenn der Kollege Platon noch lebte, würde er schnell diagnostizieren, dass so ein Verhalten das Gleichgewicht der vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft gefährlich durcheinanderbringt. Er wusste zwar noch nichts von fossilen Brennstoffen und CO2, aber er wusste schon etwas von menschengemachter Umweltzerstörung. Die Umgebung von Athen wurde nämlich zwischen 700 und 500 vor Christus weitestgehend abgeholzt. 100 Jahre später, während Platons Jugend, musste im Peloponnesischen Krieg für den Bau der Schiffe Holz von weit her importiert werden. Sein Urteil über das, was er sah (in modernisierter Sprache natürlich): „Durch die Entwaldung und die nachfolgende Erosion ist nur das Knochengerüst eines erkrankten Körpers übrig geblieben, nachdem ringsum fortgeflossen ist, was vom Boden fett und weich war“.

Gut gesagt, Herr Kollege. Aber Diogenes, obschon eher nur ein zweitrangiger Philosoph, ist heute gegenüber seinen berühmten antiken und mittelalterlichen Berufsgenossen im Vorteil. Denn er verfügt über ein reales, nicht nur ein zusammenphilosophiertes Bild von der Erde: Die Erde ist nämlich eine Tomate. Die Haut der Tomate ist die Biosphäre, also der Raum, in dem wir mit allen anderen Lebewesen leben, die Luft, die wir atmen, die Wolken, die uns Wasser bringen, und die höheren Schichten, die uns vor der verstrahlten Leere des Weltraums schützen. Es ist erst 51 Jahre her, am Heiligabend 1968, dass die ganze Menschheit die Tomate auf dem ersten Farbfoto der Erde von außen zu sehen bekam.

Er fragt sich manchmal, wie die Weltgeschichte verlaufen wäre, wenn unsere Urväter diese Bilder schon gekannt hätten. Die Philosophen hätten weniger Zeit mit Spekulationen und Haarspaltereien verschwendet und stattdessen schon vor langer Zeit ein Weltbild entwickelt, das zu unseren heutigen Herausforderungen passt. Vielleicht hätte man sogar irgendwann kapiert, dass Kriege der Menschheit nichts nutzen. Und die Religionen hätten nicht jahrhundertelange Abwehrkämpfe gegen naturwissenschaftliche Erkenntnisse führen müssen. Die Zehn Gebote würden wahrscheinlich ziemlich anders aussehen.

Wie viele Bäume muss man fällen, um alle Plastiktüten durch Papier zu ersetzen?

Fünfzig Jahre sind eine kurze Zeit, um eine ganze Menschheit zum Umdenken zu bringen – schon Diogenes allein hat für manche seiner Erkenntnisse länger gebraucht. Das Gebot, mit den Ressourcen schonend und effizient umzugehen, leuchtet zwar jedem ein, aber was die konkreten Konsequenzen für unser Verhalten sind, darüber sind wir noch lange nicht einig. Die Nachhaltigkeitsgleichung enthält zu viele Unbekannte. Es gibt unzählige Ideen, aber wenige davon hatten bisher die Chance, sich in der Realität zu bewähren. Wäre es nicht viel praktischer, wenn man den Akku des Elektroautos an der Tankstelle gegen einen vollen tauschen könnte? Hilft es wirklich, wenn man sein Auto vorzeitig verschrottet (oder in ärmere Länder exportiert) und sich ein neues mit geringerem Verbrauch kauft? Sind die für die Elektromobilität nötigen Batterien nicht aus ebenfalls knappen und zudem hochgiftigen Rohstoffen hergestellt? Kann der Methanausstoß der Rinder in Argentinien wirklich durch Zusetzen von Seegras zum Futter stark reduziert werden? Soll ich beim Waschen Wasser sparen, was zwar weniger, aber dafür schmutzigeres Abwasser produziert? Wie viele Bäume muss man fällen, um alle Plastiktüten durch Papier zu ersetzen? Sollen wirklich alle auf Fernreisen und die Erfahrung fremder Länder verzichten?

Diogenes möchte das Richtige tun, fühlt sich bei solchen Fragen jedoch oft alleingelassen. Klären lassen sie sich nur durch Forschung und Technik, durch Versuch und Irrtum. Und das hoffentlich schnell, weil wir nicht unbegrenzt Zeit haben. Diogenes neigt zwar nicht zur Panik. Er will beispielsweise nicht so recht daran glauben, dass die Erde in wenigen Jahrzehnten unbewohnbar sein wird. Auch stört es ihn gar nicht sehr, dass es heute in Deutschland ungefähr so warm ist wie damals in seinem ersten Leben in Griechenland. Aber er wünscht sich schon, dass auch sein nächstes Leben nicht viel ungemütlicher wird als das gegenwärtige. Und dafür muss bald etwas getan werden.

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