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Die nachfolgenden Internetseiten der DZ BANK dürfen nur von Personen angesehen werden, deren dauerhafter Wohn-/Geschäftssitz in einem der Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz ist, die sich nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, oder Japan befinden und die keine „U.S.-Person“ gemäß Definition der „Regulation S“ des amerikanischen Wertpapiergesetzes „U.S. Securities Act“ von 1933 in der jeweils gültigen Fassung (im Folgenden „U.S.-Person“) sind. Die DZ BANK übernimmt insbesondere keine Verantwortung für die Verbreitung des Inhalts von Internetseiten gegenüber Personen, die nachfolgend falsche Angaben machen.

Ich habe meinen dauerhaften Wohn-/Geschäftssitz in einem Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz und habe die Pflichtangaben und Interessenkonflikte / Rechtliche Hinweise gelesen und bin mit ihnen einverstanden. Ich bestätige, dass ich mich derzeit nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada oder Japan befinde, dass ich keinen dauerhaften Wohnsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika habe und dass ich auch keine „U.S.-Person“ bin.

#1
Ausgabe

Keine Angst vor dem „R-Wort“!

Eine wirtschaftliche Abkühlung hat auch ihr Gutes

Im Fokus
Dr. Michael Holstein, Economist
6 min
891 Leser
13.03.2019

So schnell ändern sich die Zeiten: Vor rund einem Jahr war die größte Sorge der Ökonomen, dass die deutsche Wirtschaft überhitzen könnte. Seit einigen Wochen macht sich nun die Angst vor der Rezession breit. Ist sie gerechtfertigt?

Aktienkurse als Vorboten der Krise?

Für die Aktienmärkte war der Dezember 2018 ein regelrechter Horrormonat. Rund um den Globus sackten die Notierungen kräftig ab – aus der erhofften Jahresendrally wurde ein schmerzhafter Einbruch. Auf der Suche nach Gründen für die beunruhigenden Kursverluste wurden auf Händlerseite vielfach „Rezessionsängste“ genannt – das gefürchtete „R-Wort“ macht wieder die Runde. 

Wenn die Wirtschaft in eine Rezession stürzt, ist das üblicherweise mit einbrechenden Unternehmensgewinnen und sinkenden Aktienkursen verbunden (siehe hierzu auch den Beitrag „Anlagestrategie – Talblick mit Zuversicht). Allerdings muss nicht jede Korrektur am Aktienmarkt Vorbote einer Rezession sein. Die Kurse können auch kräftig fallen, ohne dass eine Wirtschaftskrise im Anzug ist. Der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Samuelson scherzte einst über die übertriebene Nervosität der Anleger: „Der Aktienmarkt prognostizierte neun der letzten fünf Rezessionen“.

Das „R-Wort“: Presseartikel mit dem Wort „Rezession“

Jan2018 Feb2018 Mär2018 Apr2018 Mai2018 Jun2018 Jul2018 Aug2018 Sep2018 Okt2018 Nov2018 Dez2018 Jan2019 Feb2019 X 2.500 2.000 1.000 1.500 500 0 3.000 Anzahl Benchmark B Strategie S Unterrendite UR Anzahl (X) Presseartikel mit dem Wort „Rezession“

Quellen: Genios-Pressedatenbank, DZ BANK AG

Abschwung ja, Rezession nein

Die deutsche Wirtschaft befindet sich zweifellos in einer konjunkturellen Abschwungphase. Schon 2018 war die Wachstumsrate mit 1,4% deutlich niedriger als in den guten Vorjahren. Und sie wird 2019 aller Voraussicht nach noch weiter sinken. Derzeit gehen die meisten Prognostiker für das laufende Jahr von einem Wirtschaftswachstum von nur noch rund 1% aus. 

Die Gründe für das nachlassende Wachstum sind leicht auszumachen. Die Weltwirtschaft wird in diesen Tagen durch eine ganze Reihe von Risiken belastet: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China droht weiter zu eskalieren, für den bevorstehenden Brexit gibt es immer noch keinen Plan, und in Europa herrscht Zwietracht statt der notwendigen Einigkeit im Krisenmanagement. Dass die exportabhängige deutsche Wirtschaft – noch dazu von Sonderproblemen im Automobilsektor belastet – unter diesen Umständen an Schwung verliert, ist kein Wunder.

Neben diesen internationalen Belastungsfaktoren gibt es auch noch die Altersfrage: Kaum ein Aufschwung der Nachkriegszeit war so langlebig wie der aktuelle. Die Erholung dauert nun schon seit dem Frühjahr 2009 an, sie hat damit nach Auffassung einiger Experten das „Mindesthaltbarkeitsdatum“ für Konjunkturaufschwünge längst überschritten. Üblicherweise wird die durchschnittliche Dauer eines Konjunkturzyklus mit etwa acht Jahren angegeben. Demnach wäre die nächste Rezession eigentlich überfällig. 

Gibt es den typischen Konjunkturzyklus überhaupt?

Dabei hat die lehrbuchhafte Vorstellung vom Konjunkturzyklus als regelmäßigem Auf und Ab der Wirtschaft den Praxistest eigentlich nie bestanden. Den typischen Konjunkturzyklus gibt es nämlich gar nicht. Kein Zyklus gleicht dem nächsten. Das verdeutlicht die Statistik des amerikanischen Wirtschaftsforschungsinstituts NBER: Demnach zählten die Forscher seit Mitte des 19. Jahrhunderts mehr als 30 Konjunkturzyklen in den USA, deren Länge zwischen eineinhalb und zehneinhalb Jahren lag. Sowohl der kürzeste als auch der längste dieser Zyklen vollzogen sich in den Jahren nach 1980, sind also relativ aktuelle Phänomene. 

Länge der US-Konjunkturzyklen seit 1860

Okt 1860 Apr 1865 Jun 1869 Okt 1873 Mar 1887 Mar 1882 Jul 1890 Jan 1893 Dez 1895 Jun 1899 Sep 1902 Mai 1907 Jan 1910 Jan 1913 Aug 1918 Jan 1920 Mai 1923 Okt 1926 Aug 1929 Mai 1937 Feb 1945 Nov 1948 Jul 1953 Aug 1957 Apr 1960 Dez 1969 Nov 1973 Jan 1980 Jul 1981 Jul 1990 Mar 2001 Dez 2007 Ende des Zyklus M 100 80 40 60 20 0 140 120 Monate Benchmark B Strategie S Unterrendite UR US-Konjunkturzyklen in Monaten

Angegeben sind jeweils die Monate des Konjunkturhochs („peak"), die auch den Beginn der jeweiligen Rezession markieren.
Quellen: NBER, DZ BANK AG

Trotz der sehr unterschiedlichen Dauer der Zyklen gibt es durchaus Gemeinsamkeiten, die sich beobachten lassen. Üblicherweise sind Konjunkturaufschwünge durch überdurchschnittliches Wachstum gekennzeichnet, die Beschäftigung steigt und die Auslastung der Kapazitäten zieht an. Allmählich werden dann Arbeitskräfte knapper und die Löhne steigen etwas schneller. Das wiederum treibt in der Spätphase des Aufschwungs die Inflationsrate an, was in der Folge die Zentralbanken auf den Plan ruft und zu Zinserhöhungen veranlasst. Der Aufschwung trägt also gewissermaßen die Saat der Rezession bereits in sich. In seiner Endphase macht die Überhitzung durch zu viel oder zu kräftiges Wachstum die schockhafte Abkühlung und damit die Rezession erforderlich.

Dieser Aufschwung ist (noch) gar nicht heißgelaufen 

Betrachtet man die seit 2009 andauernde Konjunkturerholung vor diesem Hintergrund, so gibt es noch gar keinen Grund für eine erzwungene Abkühlung. Denn eine Überhitzung ist nicht zu erkennen. Zwar ist die Beschäftigung kräftig gestiegen und die Arbeitslosenquote ist so tief wie lange nicht mehr. Doch halten sich die Lohnsteigerungen weiterhin im üblichen Rahmen und die Inflationsrate ist – jedenfalls nach Meinung der EZB – eher zu niedrig als zu hoch. Kein Grund also für steigende Zinsen und ein erzwungenes Abkühlen der Wirtschaft.

Deutschland: Geschäftsklima, Inflation und Zinsen

2007 2009 2011 2013 2015 2017 1999 2001 2003 2005 2019 % P 2 1 0 –1 6 3 4 5 20 10 0 –50 –40 –30 –20 –10 40 30 ifo Geschäftsklima ifoGeschäftsklima(rechts) EZB-Leitzins(links) Inflationsrate(links) Benchmark B Strategie S Unterrendite UR

Inflationsrate und EZB-Leitzins in %, ifo Geschäftsklima für das verarbeitende Gewerbe in Saldenpunkten (rechte Skala).
Quellen: ifo Institut, EZB, Statistisches Bundesamt, DZ BANK AG

Aus der zyklischen Dynamik heraus sind also die typischen Voraussetzungen für eine Rezession derzeit nicht gegeben. Weder in den Vereinigten Staaten noch in Deutschland läuft die Wirtschaft wirklich heiß. Das bedeutet natürlich nicht, dass es nicht doch zu einem wirtschaftlichen Einbruch kommen könnte. 

Denn Wirtschaft ist zu 50% Psychologie, das sagte schon Altbundeskanzler Ludwig Erhard. Es ist also nie auszuschließen, dass die Angst vor der Rezession zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird: Wenn nur genügend Entscheider in den Unternehmen oder bei den privaten Haushalten daran glauben und sich mit ihren Ausgaben trotz eigentlich solider Aussichten schlagartig zurückhalten, kann es zu einem Einbruch der Nachfrage kommen. 

Doch seit Anfang 2019 haben zumindest die Aktienmärkte bereits wieder gedreht. Auf einen der schlechtesten Dezember seit Menschengedenken folgte an der deutschen Börse der beste Jahresauftakt seit knapp 30 Jahren. Die Aktienanleger scheinen wieder einen etwas nüchterneren Blick auf die eigentlich solide fundamentale Lage zu werfen und neben den zweifellos vorhandenen Risiken auch die Chancen zu sehen. Mit Zinserhöhungen durch die Notenbanken ist jedenfalls bis auf Weiteres nicht zu rechnen.

Kaum ein Aufschwung der Nachkriegszeit war so langlebig wie der aktuelle.

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