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Die nachfolgenden Internetseiten der DZ BANK dürfen nur von Personen angesehen werden, deren dauerhafter Wohn-/Geschäftssitz in einem der Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz ist, die sich nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, oder Japan befinden und die keine „U.S.-Person“ gemäß Definition der „Regulation S“ des amerikanischen Wertpapiergesetzes „U.S. Securities Act“ von 1933 in der jeweils gültigen Fassung (im Folgenden „U.S.-Person“) sind. Die DZ BANK übernimmt insbesondere keine Verantwortung für die Verbreitung des Inhalts von Internetseiten gegenüber Personen, die nachfolgend falsche Angaben machen.

Ich habe meinen dauerhaften Wohn-/Geschäftssitz in einem Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz und habe die Pflichtangaben und Interessenkonflikte / Rechtliche Hinweise gelesen und bin mit ihnen einverstanden. Ich bestätige, dass ich mich derzeit nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada oder Japan befinde, dass ich keinen dauerhaften Wohnsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika habe und dass ich auch keine „U.S.-Person“ bin.

#4
Ausgabe

Grün. Grün. Grün?

Was bewirkt die steigende Zahl nachhaltiger Staatsanleihen?

Research-Spezialthema
Christian M. Lenk, CFA, Analyst
5 min
1063 Leser
11.12.2019

Das Investieren unter Nachhaltigkeitsaspekten gewinnt auch im Staatsanleihesegment an Bedeutung. So hat die zunehmende Emissionstätigkeit seit 2018 das derzeit ausstehende Volumen an grünen Staatsanleihen auf gut 50 Mrd. Euro ansteigen lassen.

Die vergangenen Monate waren, zumindest in der deutschen Medienlandschaft, von einer zunehmenden Fokussierung auf Klimaschutzfragen geprägt. Insbesondere öffentlichkeitswirksame Proteste wie „Fridays for Future“ oder zuletzt die radikalere Variante „Extinction Rebellion“ warfen eine Frage auf: Fahren Politik und Wirtschaft einen hinreichend nachhaltigen Kurs? Die Beurteilung dieser Frage mag schwierig sein, aber der Vorwurf völliger Ignoranz ökologischer, sozialer oder nachhaltiger Aspekte scheint überzogen. Denn seit 2018 lässt sich eine deutlich erhöhte Emissionstätigkeit von nachhaltigen Staatsanleihen erkennen, insbesondere in der Eurozone. 

Nachhaltiges Investieren und Finanzmärkte – wie geht das zusammen?

Den Zentralstaaten (im Finanzmarktjargon auch Sovereigns genannt) konnte – im Gegensatz zu supranationalen Emittenten wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder der Weltbank – bislang allerdings keine Vorreiterrolle zugesprochen werden. Erst 2016 kam mit der Republik Polen der erste Sovereign an den Markt. Die Gründe für diese Rolle als Nachzügler sind vielfältig. Sorgen um eine mögliche Fragmentierung des jeweiligen Staatsanleihemarktes dürften sicher eine bedeutende Rolle gespielt haben. Denn in der Regel sind die Staaten bemüht, dass ihre Anleihen stets sehr liquide handelbar sind, was die Refinanzierungskosten vergünstigt. In der Regel erhöht sich die Liquidität einer Anleihe, wenn deren ausstehendes Volumen steigt. Gäbe es nun verschiedene Segmente (zum Beispiel „normale“ und grüne Staatsanleihen), die entsprechend kleiner als ein einziges wären, würde dies für die jeweiligen Regierungen unter Umständen teurere Refinanzierungskosten am Markt mit sich bringen.

Zudem dürften die bürokratischen Hürden in Verbindung mit den längeren Entscheidungswegen zwischen der Funding-Agentur und den beteiligten Ministerien oft eine schnellere Produkteinführung erschweren. Erstere, wie beispielsweise die Deutsche Finanzagentur (DFA) in Frankfurt, führen im Auftrag des Staates die Kreditaufnahme am Kapitalmarkt durch. Allerdings zeigt die recht rege Emissionsaktivität bei Sub-Sovereigns (hierunter fallen beispielsweise Regionalregierungen wie die deutschen Bundesländer oder Kommunen), dass die erstgenannte Ursache wohl ein höheres Gewicht haben dürfte.

Emissionstätigkeit seit 2018 gestiegen

Spätestens seit 2018 hat jedoch auch bei Zentralstaaten der ESG-Zug (ESG steht für Environmental, Social, Governance) Fahrt aufgenommen. ESG-Staatsanleihen aus der E(W)U dominieren das Feld weiterhin klar. Neben der steigenden Investorennachfrage dürfte hierzu auch der im März 2018 von der Europäischen Kommission vorgestellte „Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ seinen Beitrag geleistet haben. Damit will die EU zur Erreichung der weltweiten Klimaziele beitragen.

In Verbindung mit der niedrigen Granularität des Segments – aktuell stehen nur 21 ESG-Staatsanleihen aus – überrascht es nicht, dass mehr als 85% dieser Anleihen (43 Mrd. Euro) in der Gemeinschaftswährung denominiert sind. Allein die grüne französische Staatsanleihe macht mit einem ausstehenden Volumen von knapp 21 Mrd. Euro fast 40% des weltweiten Gesamtvolumens aus.

Euro dominiert grünen Staatsanleihemarkt klar

Quellen: Bloomberg, DZ BANK

Geringe Renditeunterschiede zu „normalen“ Staatsanleihen

Ein regelmäßig hinterfragter Aspekt bei ESG-Anleihen ist deren Bepreisung: Sind die Investoren bereit, für Nachhaltigkeit eine Prämie zu zahlen, also niedrigere Renditen zu akzeptieren? Der Konsens zahlreicher Studien zu dieser Thematik lässt erwarten, dass eine gewisse Bereitschaft vorhanden ist – sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt. Insbesondere am hochliquiden und rendite- wie spread-armen Staatsanleihemarkt sind solche Effekte ungleich flüchtiger. Entsprechend lässt sich mit einem kurzen Blick auf den aktuellen Sekundärmarkt die eingangs gestellte Frage nicht klar beantworten, wobei sich anekdotische Hinweise auf leichte ESG-Prämien finden lassen. Heißt: Teilweise bieten grüne Staatsanleihen etwas niedrigere Renditen als vergleichbare „normale“ Titel. Vor allem eine unterschiedliche regulatorische Behandlung, die ESG-Anleihen bevorzugt, könnte in Zukunft zu einer stärkeren Differenzierung führen.

Beispiel Frankreich: Kaum Renditeunterschiede zu normalen Staatsanleihen

Quellen: Bloomberg, DZ BANK

Mehr Innovation ist gefragt

Spätestens mit Blick auf 2020 sollte sich das Universum der ESG-Staatsanleihen weiter ausdehnen. Zu den konkreten Kandidaten zählen neben Peru erneut zahlreiche E(W)U- Staaten, darunter Schweden, Dänemark, Luxemburg, Italien und Deutschland. Damit dürfte die zuvor erwähnte Dominanz europäischer Emittenten in diesem Segment weiter zunehmen. In Dänemark wird zudem über eine Produktinnovation diskutiert. Um einer möglichen Fragmentierung in verschiedene Segmente entgegenzuwirken, ist angedacht, die Emission eines dänischen Green Bonds in zwei separate Titel aufzuteilen. Hierzu würde parallel zu einer normalen Staatsanleihe ein Green-Proof-Zertifikat (GP) emittiert. Dieses dokumentiert, dass Dänemark damit ein bestimmtes Volumen an nachhaltigen beziehungsweise klimafreundlichen Projekten finanziert. Beide Produkte wären separat handelbar. Zudem würde der Wert des Zertifikats indizieren, welchen Preis Investoren für die ESG-Komponente zu zahlen bereit sind.

Mit der Emission einer grünen deutschen Bundesanleihe in der zweiten Jahreshälfte 2020 wird auch die Bundesrepublik in den Kreis der Sovereign-Green-Bond-Emittenten treten. Die Deutsche Finanzagentur plant, parallel zu einer normalen Bundesanleihe einen „grünen Zwilling“ zu emittieren. In diesem Fall würde dann der Preisunterschied zwischen den beiden Produkten eine etwaige grüne Prämie indizieren.

Mit etwas weniger Innovation ist jedoch mit Blick auf die offizielle Klassifizierung des Begriffs Nachhaltigkeit (die sogenannte Taxonomie) durch die EU zu rechnen. Eine Einigung unter den Mitgliedsstaaten beziehungsweise mit der technischen Expertengruppe gelang zwar zuletzt; die Umsetzung der Taxonomie, die letztlich zu einer besseren Vergleichbarkeit und stärkeren Standardisierung von nachhaltigen Anlagen führen soll, dürfte jedoch frühestens im Jahresverlauf 2020 erfolgen.

 

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