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Die nachfolgenden Internetseiten der DZ BANK dürfen nur von Personen angesehen werden, deren dauerhafter Wohn-/Geschäftssitz in einem der Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz ist, die sich nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, oder Japan befinden und die keine „U.S.-Person“ gemäß Definition der „Regulation S“ des amerikanischen Wertpapiergesetzes „U.S. Securities Act“ von 1933 in der jeweils gültigen Fassung (im Folgenden „U.S.-Person“) sind. Die DZ BANK übernimmt insbesondere keine Verantwortung für die Verbreitung des Inhalts von Internetseiten gegenüber Personen, die nachfolgend falsche Angaben machen.

Ich habe meinen dauerhaften Wohn-/Geschäftssitz in einem Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz und habe die Pflichtangaben und Interessenkonflikte / Rechtliche Hinweise gelesen und bin mit ihnen einverstanden. Ich bestätige, dass ich mich derzeit nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada oder Japan befinde, dass ich keinen dauerhaften Wohnsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika habe und dass ich auch keine „U.S.-Person“ bin.

#4
Ausgabe

Der Schein trügt

Seltene Erden sind nicht knapp – das Problem liegt woanders

Wussten Sie schon?
Gabor Vogel, Analyst
5 min
1078 Leser
11.12.2019

Cer, Neodym, Dysprosium – Namen, die gut aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten. Wer weiß schon, dass es sich hierbei um Metalle handelt, die sogenannten seltenen Erden? Doch sie sind unersetzlich für Energiewende und Digitalisierung. Gewonnen werden sie meist unter nicht nur ökologisch fragwürdigen Bedingungen. Wie lässt sich das in Einklang mit nachhaltigen Technologien bringen?

Basis für die „grüne“ Energiewende

Smartphone, Tablet, Elektroauto oder eine Windenergieanlage. Nichts davon kommt ohne seltene Erden aus. Man bezeichnet sie auch als „grüne“ Metalle, da sie gerade in den Bereichen Photovoltaik (als Beschichtungsmaterial von Solarpanels) und Windkraft verwendet werden. Und das nicht zu knapp. So verschlingt beispielsweise die Produktion eines gängigen Windrads mit einer Leistung von 5 Megawatt 850 Kilogramm an seltenen Erden. Auch in puncto E-Mobilität spielen sie eine wichtige Rolle: In einem Elektroauto von Tesla sind allein 3 Kilogramm Neodymium verbaut.

Im Zuge der „grünen“ Energiewende mit dem Ziel der globalen CO2-Reduktion kommt man an den „Zukunftsmetallen“ nicht vorbei. Damit wird sich deren Nachfrage unweigerlich so deutlich erhöhen, dass ihnen eine geradezu strategische Bedeutung zukommt. So ist in den nächsten 15 Jahren bei Dysprosium und Terbium beinahe mit einer Vervierfachung des Verbrauchs zu rechnen. Bei Neodymium und Germanium sollte sich die Nachfrage im selben Zeitraum verdoppeln.

Seltene Erden und ihre Verwendung

Quellen: United States Geological Survey (USGS), United States Environmental Protection Agency (USEPA), ifr Center for Asian Studies, DZ BANK

Ökologischer Zwiespalt

Anders als die Bezeichnung vermuten lässt, sind seltene Erden keinesfalls rar. Ihre Vorkommen sind weltweit fein verteilt, konzentrieren sich jedoch auf China, Brasilien, Vietnam, Russland und Indien. Das Reich der Mitte wurde schnell zum Monopolisten – nicht zuletzt wegen der laxen Umweltauflagen und geringen Lohnkosten. Bereits zwischen 2003 und 2012 hatte China einen Produktionsanteil von weit über 90%; mittlerweile entfallen über 70% des weltweiten Angebotes auf China. Lange Zeit wurden die Folgen – sowohl ökologischer als auch humanitärer Art – der Seltenerdmetallförderung ignoriert. Und diese sind nicht ohne: Bereits beim Abbau im Tagebau werden radioaktive Materialien wie Thorium und Uran freigesetzt. Besonders groß ist der ökologische Fußabdruck jedoch beim nächsten Arbeitsschritt, denn alle 17 Elemente werden immer zusammenhängend gefördert. Um die einzelnen Metalle „aufzuspalten“, im Fachjargon „zu extrahieren“, ist ein aufwendiges chemisches Verfahren notwendig. Dieser Prozess ist äußerst energie- und wasserintensiv. So entstehen bei der Produktion von 1 Tonne seltenen Erden radioaktiv kontaminierte Produktionsrückstände von etwa 2.000 Tonnen in Form von Schlamm und Abwasser. Mit verheerenden Folgen für die Umwelt, wie das Beispiel der Bayan-Obo-Mine in Batou in der chinesischen Provinz Innere Mongolei zeigt. Um die Mine, in der sich die weltweit größten Vorkommen von seltenen Erden befinden, haben Umweltbehörden eine radioaktive Kontamination des Grundwassers und der Weideflächen nachweisen können. Man schätzt, dass der Umweltschaden beim Abbau und der Extraktion von seltenen Erden in Batou fünfmal höher ist als der erzielte Ertrag. Das Verhältnis zum durch den Einsatz in grüne Technologien erzielten positiven ökologischen Beitrag ist also alles andere als optimal.

Wer produziert seltene Erden?

Quellen: USGS, DZ BANK

Reserven sind weltweit verteilt (in %)

in Mio. t CO₂-Äquivalentinsgesamt 906,6 Mio. t

Quellen: USGS, DZ BANK

Abhängigkeiten verringern!

Zwar sind seltene Erden in der Hochtechnologie unverzichtbar. Doch die westliche Welt sollte sich nicht darauf verlassen, dass China der wichtigste Lieferant bleibt und gleichzeitig alle Umweltschäden selbst trägt. Auch nicht außer Acht gelassen werden darf, dass China mittlerweile selbst zum „Global Player“ in Sachen E-Mobilität und Photovoltaik-Technik geworden ist. Heißt: Das Land braucht selbst große Mengen an seltenen Erden. Dieser Umstand erfordert, dass sich Europa und die USA unabhängiger von chinesischen Importen machen. Die Amerikaner haben bereits reagiert und fahren die stillgelegte Mountain-Pass-Mine in Kalifornien wieder hoch. Hier wurde der Produktionsprozess mittlerweile sehr kapitalintensiv modernisiert, sodass die negativen Effekte für die Umwelt reduziert werden konnten.

Benötigt wird zudem ein globaler Abbaustandard, der ein Mindestmaß an Umwelt- und Arbeitsschutz definiert. In der Umsetzung werden erhebliche Investitionen in umweltschonendere Abbau- und Extraktionstechnologien notwendig sein. Der dann gültige Standard sollte auch zertifiziert werden, sodass beispielsweise der Käufer eines Elektroautos direkt erkennen kann, dass die verwendeten Rohstoffe unter ökologisch „grünen“ Bedingungen gefördert wurden.

Recycling und Sparsamkeit – eine Option?

Vor dem Hintergrund, dass weltweit aktuell weniger als 1% der Produktion wiederverwertet wird, könnte man auch stärker auf Recycling setzen. Hier besteht ohne Zweifel Potenzial. Allerdings setzt dies voraus, dass beispielsweise die Hersteller von Smartphones bereits beim Designprozess darauf Wert legen, die Produkte leichter und damit wirtschaftlicher wiederverwertbar zu gestalten. Denn das große Problem beim Recycling von seltenen Erden ist, dass sie nur in sehr geringen Mengen verbaut werden und die Wiederverwertung vergleichsweise teuer ist. Ansonsten bleibt natürlich immer die Möglichkeit, sparsamer mit seltenen Erden umzugehen und Substitutionsmöglichleiten zu identifizieren. Nicht zuletzt kann auch die Digitalisierung helfen, sparsamer mit Energie umzugehen. Hier sei als Beispiel die „Smart-Home-Vernetzung“ genannt, die den Heizbedarf optimal regelt und den Stromverbrauch verringert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Abbaubedingungen ebenfalls dringend überdacht werden muss die Verwendung von seltenen Erden in Feuerwerkskörpern, die einer Verschwendung gleichkommt.

Ein neuer Standard muss her

Vor dem Hintergrund der Klimadebatte sind die seltenen Erden nicht nur in Form ihrer Verwendung für die neuen grünen Technologien von maßgeblicher Bedeutung. Vielmehr ist ein ganzheitlicher Ansatz unerlässlich, der schon bei der Herstellung dieser Metalle ansetzt. Denn nur so lässt sich der ökologische Fußabdruck reduzieren. Dafür sind aber umfangreiche Investitionen und ein globaler Produktionsstandard notwendig. Ansonsten bleibt der Einsatz der seltenen Erden und nicht zuletzt auch die viel gepriesenen grünen Technologien ökologische Augenwischerei.

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