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Die nachfolgenden Internetseiten der DZ BANK dürfen nur von Personen angesehen werden, deren dauerhafter Wohn-/Geschäftssitz in einem der Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz ist, die sich nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, oder Japan befinden und die keine „U.S.-Person“ gemäß Definition der „Regulation S“ des amerikanischen Wertpapiergesetzes „U.S. Securities Act“ von 1933 in der jeweils gültigen Fassung (im Folgenden „U.S.-Person“) sind. Die DZ BANK übernimmt insbesondere keine Verantwortung für die Verbreitung des Inhalts von Internetseiten gegenüber Personen, die nachfolgend falsche Angaben machen.

Ich habe meinen dauerhaften Wohn-/Geschäftssitz in einem Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mit Deutsch als Amtssprache oder in der Schweiz und habe die Pflichtangaben und Interessenkonflikte / Rechtliche Hinweise gelesen und bin mit ihnen einverstanden. Ich bestätige, dass ich mich derzeit nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada oder Japan befinde, dass ich keinen dauerhaften Wohnsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika habe und dass ich auch keine „U.S.-Person“ bin.

#4
Ausgabe

Der goldene Weg

Klimaschutz zwischen Verboten und Investitionen

Im Fokus
Michael Stappel, Economist
7 min
1084 Leser
11.12.2019

„Fridays for Future“ bringt weltweit Millionen junger Menschen auf die Straße. Sie haben angeführt von Greta Thunberg das Diskussionsfeuer um wirksamen Klimaschutz neu entfacht. Unter dem öffentlichen Druck sind die Politiker gefordert. Doch was ist der richtige Weg – auf CO2-verursachende Aktivitäten verzichten oder in umweltfreundliche Technologie investieren?

Die Zeit drängt

Spätestens die letzten beiden Sommer lassen erahnen, dass tatsächlich dringender Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz besteht. Nicht nur die Hitzewellen waren das Problem, sondern auch langanhaltende Dürren und Unwetter. Mit dem weiteren Anstieg der durchschnittlichen globalen Lufttemperatur dürften sich solche Phänomene häufen und sogar noch verstärken. Das hat zum einen schwerwiegende gesundheitliche Folgen vor allem für ältere und kranke Menschen. Zum anderen betrifft es auch die Tier- und Pflanzenwelt und damit die Landwirtschaft, die mit dem Verlust landwirtschaftlicher Nutzfläche, verstärkten Ernteausfällen sowie steigenden Kosten für Futtermittel und Bewässerung rechnen muss. Auch die jüngsten Niedrigwasser des Rheins sowie überschwemmte oder unterspülte Verkehrswege lieferten einen Vorgeschmack darauf, was der Klimawandel für den Verkehrssektor bedeuten könnte. Betroffen waren aber nicht nur der Schiffs-, Eisenbahn- und Straßenverkehr. In der Folge kam es auch zu Produktionsausfällen in der chemischen Industrie, zu Kühlwassermangel in Kraftwerken und zu Versorgungsengpässen bei Heizöl. Diese Beispiele verdeutlichen, dass die volkswirtschaftlichen Kosten des Klimawandels gewaltig ausfallen könnten.

Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt 1961 bis 1990*

Quelle: Met Office Hadley Centre, Climate Research Unit

Dabei wurden in Deutschland in der Vergangenheit bereits deutliche Fortschritte beim Klimaschutz erzielt. Das zeigt der Ausbau erneuerbarer Energien, die inzwischen knapp 43% (erste drei Quartale 2019) des inländischen Bruttostromverbrauchs decken. Diese Entwicklung hat auch dazu beigetragen, dass – verglichen mit 1990 – rund 30% der jährlichen Treibhausgasemissionen abgebaut werden konnten.

Treibhausgasemissionen in Deutschland

Quelle: Umweltbundesamt

Allerdings erlahmen die Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel zusehends. So wurden im ersten Halbjahr 2019 in Deutschland so wenige Windräder an Land gebaut wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Gerade einmal 86 Anlagen sind neu dazugekommen – ein Rückgang von 82% im Vergleich zum Vorjahr. Auch die energetische Gebäudesanierung hat in den letzten Jahren an Schwung verloren. Im Flugverkehr steigt der CO2-Ausstoß durch das erhöhte Fluggastaufkommen sogar. Von 2014 bis 2017 fanden praktisch keine weiteren Fortschritte im CO2-Abbau mehr statt. Lediglich 2018 hat nach ersten vorläufigen Zahlen eine weitere Reduktion gebracht, die jedoch von förderlichen Wetterbedingungen begünstigt wurde.

Unter diesen Bedingungen kann Deutschland sein ursprüngliches Klimaziel – eine Verminderung des Treibhausgasausstoßes um mindestens 40% bis 2020 im Vergleich zu 1990 – nicht mehr erreichen. Daher kann der Kampf gegen den Klimawandel durchaus neue Impulse gebrauchen, wie sie vom kürzlich verabschiedeten Klimapaket der Bundesregierung ausgehen sollen. Die Rückschau auf die Fördersystematik des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zeigt aber auch, dass mehr wirtschaftliche und technische Effizienz beim Einsatz von Klimaschutzmaßnahmen einschließlich Fördermitteln gefragt ist. Das gilt beispielsweise für die Photovoltaik, die trotz geringer und stark schwankender Energieausbeute in den Anfangsjahren stark vom EEG profitierte.

Verbote provozieren Widerstand

Ein Blick in die Statistik zeigt, wo die größten CO2-Emittenten zu finden sind: Aus Sektorenperspektive sind das die Energiewirtschaft, die Industrie und der Verkehr. Aus der Perspektive der Konsumenten der Energieverbrauch für Heizung und Strom, Mobilität, Nahrung sowie der CO2-Ausstoß bei Produktion und Distribution sonstiger Konsumgüter. Das meiste CO2 wird durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas für die Erzeugung von Wärme, Strom und für die Fortbewegung freigesetzt. Somit wird schnell klar, dass der angestrebte Abbau von Treibhausgasemissionen kaum durch Verzicht zu erreichen ist, ohne massive Einschränkungen der Lebensqualität in Kauf nehmen zu müssen. Zudem wird die Bevölkerung mehrheitlich nicht freiwillig bereit sein, im Winter die Heizung runterzudrehen, kein Fleisch zu essen, aufs Auto und Reisen zu verzichten und insgesamt Askese zu üben. Der Weg signifikanter CO2-Einsparung durch Verzicht ist daher meist mit Verboten, Beschränkung und Rationierung verbunden. Begeisterung für Klimaschutz kann davon nicht erwartet werden, sondern eher Widerstand.

Treibhausgasemissionen in Deutschland 2017 pro Kopf nach Konsumbereichen (in %)

Quelle: Umweltbundesamt

Treibhausgasemissionen in Deutschland 2017 nach Kategorien* (in %)

Quelle: Umweltbundesamt

Investitionen sind unumgänglich

Ein nachhaltiger starker Abbau des CO2-Ausstoßes lässt sich nur erreichen, wenn fossile Energiequellen durch erneuerbare Energien ersetzt werden und energiesparende Techniken zum Einsatz kommen. Das erfordert jedoch umfassende Investitionen. Im Bereich Energie sind das der Ausbau der Windkraft und anderer Formen erneuerbarer Energien sowie der Netzausbau und die Erweiterung von Stromspeicherkapazitäten. Im Verkehrssektor betrifft das die Brennstoffzellentechnik, den Aufbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität, entsprechende Erweiterungen der Modellpaletten der Kfz-Hersteller sowie den Umbau der Autofabriken. Außerdem gilt es, das Angebot öffentlicher Verkehrsmittel zu verbessern. Hierzu sind Investitionen in die Erweiterung des Schienennetzes, die Modernisierung der Bahnhöfe und die Anschaffung neuer Schienenfahrzeuge notwendig – auch mit dem Ziel, mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Ein weiterer Investitionsschwerpunkt stellt die energetische Gebäudesanierung durch Wärmedämmung sowie Heizungs- und Fensteraustausch dar. Das betrifft Wohnhäuser genauso wie Büroimmobilien, Industrieanlagen und Geschäfte. Gleichzeitig kommt es darauf an, die energetische Effizienz der industriellen Produktion zu optimieren: nicht nur durch stromsparende Maschinen und Werkzeuge, sondern auch durch die Rückgewinnung von Energie.

Klimafreundlicher Umbau der Volkswirtschaft

Allein die Errichtung von Erneuerbare-Energien-Anlagen in den Bereichen Windenergie, Biogas und Biomasse, Wasserkraft, Geothermie, Solarthermie sowie Photovoltaik dürfte in Deutschland seit dem Jahr 2000 bis heute insgesamt rund 300 Mrd. Euro gekostet haben. Das lässt erahnen, dass der oben skizzierte klimafreundliche Umbau der gesamten Volkswirtschaft gewaltige Investitionssummen verschlingen wird. Um den Prozess in Gang zu bringen, sind staatliche Fördermaßnahmen durchaus geboten. Diese zielen unter anderem darauf ab, die Produktionsmengen klimafreundlicher Produkte zu erhöhen, um über niedrigere Stückkosten den Einstieg in die günstige Großserienproduktion zu ebnen. Aber auch die Forschungsförderung spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, neue energiesparende Techniken bis zur Serienreife zu entwickeln. Dabei sollten Fördermaßnahmen immer technikneutral und ideologiefrei sein. Bezogen auf Autos bedeutet das beispielsweise keine einseitige Förderung von Lithium-Ionen-Akkus, sondern generell die Förderung CO2-armer Antriebstechniken. Das können dann auch Fahrzeuge mit Brennstoffzellen oder mit Biogas angetriebene Verbrennungsmotoren sein.

Um den wirtschaftlich-technischen Strukturwandel in eine klimafreundliche Volkswirtschaft möglichst effizient zu gestalten, gilt es, staatliche Lenkung zu vermeiden und stattdessen marktkonforme Instrumente zu nutzen. Hierzu zählt auch ein Handel mit CO2-Verschmutzungszertifikaten, die das zulässige Volumen an CO2-Emissionen tatsächlich begrenzen – und das möglichst in der gesamten EU und darüber hinaus. Dagegen bewirkt eine CO2-Steuer zunächst lediglich einen Preisanstieg, den ein Großteil der Endverbraucher wahrscheinlich „zähneknirschend“ hinnimmt, ohne dass er eine Verhaltensänderung bewirkt. CO2-Verschmutzungszertifikate hätten zudem den Vorteil, dass sie einen Wettbewerb um CO2-Einsparungen auslösen und der Abbau von Emissionen dort stattfindet, wo die geringsten Kosten entstehen. Das setzt allerdings auch voraus, dass bürokratische Hindernisse für die Errichtung von Erneuerbare-Energien-Anlagen aus dem Weg geräumt und Planungsverfahren nicht nur vereinfacht, sondern auch beschleunigt werden.

Das Gebot der Stunde lautet Umgestaltung

Der „Fridays for Future“-Bewegung ist es gelungen, die Klimadebatte zu beleben und die dringende Notwendigkeit eines Abbaus des weltweiten Treibhausgasausstoßes zu verdeutlichen. Allerdings ist der reine Verzicht auf CO2-verursachende Aktivitäten kein nachhaltiges Konzept für einen klimafreundlichen Umbau unserer Volkswirtschaft. Eine staatlich verordnete Askese schreckt ab, weil damit Verbote und Beschränkungen verbunden sind. Vielmehr gilt es, einen wirtschaftlich-technischen Strukturwandel einzuläuten, der den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt, öffentliche Verkehrsträger stärkt, auf energetische Gebäudesanierung setzt und die Energieeffizienz der industriellen Produktion verbessert. Das erfordert gewaltige Investitionen, die – wenn sie in die richtigen Kanäle fließen – zu Kosteneinsparungen führen und die Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft von Öl und Kohle reduzieren. Gleichzeitig eröffnen sich neue Perspektiven für Anleger, die gerade in Zeiten niedriger Zinsen gefragt sind.

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